wise & wild TOGETHER (September)

Verletzung

Ich versuchte sie sanft zu berühren. Ich war soeben aufgewacht und ich hatte große Lust auf Körperlichkeit, kuscheln, ja – Sex.
Meine Hand glitt langsam zu ihr rüber und berührte ihren Körper.
Zuerst blieb sie regungslos liegen, Sekunden später drehte sie sich weg  …
sie war angewidert von mir, stieg wortlos aus dem Bett und lies mich liegen.

Sie schwieg den restlichen Tag. Auch wenn ich es bemerkte und anmerkte, so bekam ich nur knappe Antworten und schlussendlich auch mal etwas schärfer ein „lass mich in Ruhe, alles ist in Ordnung“.
Nichts war in Ordnung – es war Feuer am Dach. Ich fühlte mich allein gelassen.

Und so zog ich mich verletzt zurück. Was hab ich bloß nur gemacht?
Ich wollte doch nur Kontakt zu ihr, Kontakt zu dem Menschen, den ich liebte. Mit ihr reden, ob sie etwas verletzt hat, ob es ihr nicht gut ging …
Es vergingen Tage, wo ich keine Antworten bekam und die „Verhärtung“ immer mehr zunahm.

Ich konnte es sehen, war wie gelähmt, war verzweifelt. Sie ließ mich nicht mehr ran an sich … keine Nähe, so gut, wie keinen Körperkontakt – die Luft war an manchen Tagen wie zum Schneiden, und die Temperatur im Raum eiskalt …

Jahrzehnte später – ich saß mit einer guten Freundin bei einem Kaffee – erzählten wir uns, wie es im Leben gerade läuft.
Irgendwie kamen wir sehr schnell auf Beziehungsthemen und meine „alte Geschichte“ wurde irgendwie in mir aktiviert – wieder wach in mir.

So erzählte ich von damals, war irgendwie sehr schnell emotional wieder in dieser Situation.

„Du warst ja total hilflos“, kam es von K.
Ja, ich war damals hilflos … ich hatte keinen Weg, keine Idee, keinen Schimmer mehr, wie ich diese verfahrene Situation lösen konnte. 
Wenn ich mich abwandte und „meinen Weg“ weiter ging, war die Beziehung genauso gefährdet, wie wenn ich mit Vehemenz und Druck versuchte eine Verbindung herzustellen.
K. Hatte recht – ich war total gefangen in meiner Hilflosigkeit.
Wie konnte das passieren? Ich hatte das bis heut noch nie so gesehen, dass die Hilflosigkeit mich damals so übermannte, so gefangen hielt.

Es wurde still am Tisch – beide Versunken in den eigenen Gedanken …
und plötzlich, wie aus dem nichts, kam es in meinen Sinn, in mein Gefühl, in mein Bewusstsein – ich konnte es förmlich vor mir sehen und spüren: 

Was, wenn diese Verletzung viel älter war, als wir bis jetzt angenommen hatten … Unsere Väter und Großväter hatten ihre Frauen, Mütter, Schwestern, Töchter alleine gelassen …
und die, die wieder zurück kamen, waren paralysiert, traumatisierte von dem was sie im Krieg miterleben mussten und zogen sich in sich zurück, waren emotional nicht mehr erreichbar …
Therapie oder das Bewusstsein dafür, dass all diese Menschen Hilfe gebraucht hätten, war damals so gut wie nicht vorhanden …
Und so wurden die einen immer mehr in sich gekehrt, emotional abwesend und die anderen fühlten sich allein gelassen und zogen immer mehr eine Mauer um ihr Herz.

Was, wenn dieser Schmerz noch immer auf beiden Seiten so tief sitzt, dass wir Männer uns immer zurückziehen und uns emotional unerreichbar machen … aus Angst vor unseren Gefühlen?
Was, wenn die Frauen sich durch unsere emotionale Abwesenheit noch immer so allein und verlassen fühlen und somit auch immer wieder eine Mauer aufziehen, keinen mehr an sich ran lassen …
Was, wenn diese Hilflosigkeit, die auf beiden Seiten herrscht nun endlich erkannt, angeschaut und geheilt werden darf?

Was kommt dann?
Männer, die selbstbewusst in die Welt gehen? Ihre Emotion, ihre Tränen, nicht verstecken und trotzdem auch einfach Mann sein dürfen? Im Leben stehend, emotional erreichbar.
Frauen, die wieder ganz Frau sein dürfen, sich in ihrem Körper und ihrer Weiblichkeit wohl fühlen und somit auch wieder ihr Herz ganz weit für sich selbst und für die Männer aufmachen dürfen??

Wie schön, würde so eine Welt wohl sein?
Ich glaube, dass wir an einem Wendepunkt stehen, dass wir an einem Punkt angekommen sind, wo beide Seiten so nicht mehr wollen und nicht mehr können …

Ich glaube dass nun die Zeit gekommen ist, dass wir uns beide – Frauen UND Männer – in den Kreis setzen dürfen – ja eigentlich sollen, um gemeinsam unsere verletzte und verletzliche Seite zu zeigen und dieses Seite auch wieder beim Anderen wahrzunehmen. Dass wir gemeinsam, Hand in Hand, Schulter an Schulter, einen neuen Weg einschlagen, einen Weg, der sehr offensichtlich vor uns liegt und der uns ruft, ja uns fast schon anfleht, ihn zu beschreiten, um gemeinsam in unserer Gegensätzlichkeit zu wachsen, uns selbst und den anderen (wieder) zu lieben und um (wieder) gemeinsam zu leben, zu lachen und zu tanzen – das Leben in seiner Ganzheit und seiner Größe wieder annehmen und sich wieder auf einer offenen, ehrlichen, gefühlvollen und herzlichen Weise annähern.

Probieren wir es doch einfach aus …

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich gemeinsam mit uns in den Kreis zu setzen, kann sich einfach hier anmelden –>
https://christophluger.com/wiseandwildtogether-anmeldung/

Wir freuen uns auf Dich – Karin, Karina und Christoph

In Liebe und tiefer Verbundenheit 

Christoph

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